Alkohol wirkt verheerender als Heroin




Heroin birgt zwar die größte Zerstörungskraft für den Körper. Doch als Wissenschaftler die sozialen Auswirkungen mit einberechneten, stieg Alkohol an Platz eins der Rangliste gefährlicher Rauschmittel. Alkohol ist laut einer Studie weitaus gefährlicher als Heroin oder Crack. Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Drogen auf ihre Zerstörungskraft für den Körper und die Gesellschaft. Zwar stellten sich Heroin, Crack und Metamphetamine als die tödlichsten Rauschgifte heraus. Doch sobald die Wissenschaftler die sozialen Auswirkungen einbezogen, führte Alkohol die Rangliste der gefährlichsten Drogen an, gefolgt von Heroin und Crack. Marihuana, Ecstasy und LSD schätzen die Forscher als deutlich weniger zerstörerisch ein.

Die Experten halten Alkohol für so gefährlich, weil er weitverbreitet ist und sich nicht nur auf die Konsumenten, sondern besonders stark auch auf ihr Umfeld auswirkt. Die Studie gab das britische Zentrum für Kriminalitäts- und Justizstudien CCJS in Auftrag, am Montag erschienen die Ergebnisse in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift €Lancet€.

€Denken Sie nur mal, was (durch Alkohol) bei jedem Fußballspiel passiert€, sagt Wim van den Brink, Professor für Psychiatrie und Sucht an der Amsterdamer Universität, der einen Kommentar zu der €Lancet€-Studie mitverfasste. Exzessives Trinken schädigt demnach fast das gesamte Organsystem. Alkoholmissbrauch steht in Zusammenhang mit höheren Todesraten. Außerdem spielt er im Zusammenhang mit Gesetzesverstößen häufiger eine Rolle als die meisten anderen Drogen einschließlich Heroin.

Legale Drogen so schädlich wie illegale

Experten raten dennoch nicht dazu, Alkohol einfach zu verbieten. Leslie King, einer der Autoren der Studie und Berater am Europäischen Beobachtungszentrum für Drogen, warnt sogar davor: Eine Prohibition, wie sie einst in den USA galt, sei kein Ausweg. €Alkohol ist zu sehr in unserer Kultur verwurzelt, er kann nicht einfach entfernt werden€, sagt King. Er rät dazu, gezielt die Vieltrinker ins Visier zu nehmen, nicht die Mehrheit der Leute, die es bei einem oder zwei Bier bewenden lassen. Regierungen sollten die Preise für Alkohol anheben und mehr Aufklärung betreiben.

Die Wissenschaftler thematisieren auch die brisante Frage der rechtlichen Einordnung der verschiedenen Drogen. Großbritannien verschärfte zum Beispiel im vergangenen Jahr die Strafen für den Besitz von Marihuana. Einer der bis dahin wichtigsten Berater der damaligen Regierung, David Nutt, wurde nach seiner Kritik an dem Schritt entlassen. Nun schaltete er sich als Hauptautor der Drogen-Studie wieder in die Debatte ein, stellt die Studie doch in Frage, wieso Alkohol allgemein anerkannt, Marihuana jedoch fast überall verboten ist.

€Was Regierung für illegal erklären, hat nicht immer auf Wissenschaft gestützt€, sagt auch van den Brink. Einnahmen aus Steuern €” etwa auf Tabak und Alkohol €” könnten die Überlegungen der Regierung beeinflussen, wie die verschiedenen Substanzen gesetzlich behandelt würden. Eines stehe aber fest, sagt der Experte: €Legale Drogen verursachen mindestens so viel Schaden wie illegale.€

Quelle:kh/dapd

 

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