Auf dieser Seite stellen wir ihnen den Begründer der Codierungs-Methode Dr. A.R.Dowschenko vor.
Er hat sich große Verdienste in Forschung und Therapie bei der Bekämpfung von Alkoholismus in der ehemaligen Sowjetunion erworben.

Nach der Einteilung von Jellinek eignen sich Alpha-Typ (Erleichterungstrinker), Beta-Typ (Gelegenheitstrinker), Gamma-Typ (Rauschtrinker, Alkoholiker) und Epsilon-Typ (Quartalssäufer, Alkoholiker) am besten für die Codierungs-Methode nach Dowschenko.

Der Begründer der Methode ist der hervorragende Arzt, Psychotherapeut, Psychiater, Narkologe und Hypnosespezialist

Alexander Romanovic Dowschenko
(1918 - 1995)

Dr. A.R.Dowschenko hat eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten und Artikeln publiziert.
 Er ist Autor der Bücher:
"Ich gebe Euch dem Leben zurück"
"Aufzeichnung eines Hypnotiseurs"
"Die grüne Apotheke"
"Wie bleibt man Gesund?"
"Auf den Spuren alter Geheimnisse"
und andere.

Die Verdienste Dr. A.R.Dowschenkos sind entsprechend gewürdigt worden.
Durch Verordnung des Präsidiums des Obersten Rates der Ukraine wurde ihm der Titel "Verdienter Arzt der Republik" verliehen.

 

Im russischen Kulturkreis bzw. Osteuropa hat die Codierung nach Dr. Dowschenko einen hohen Grad an Bekanntheit und Anerkennung.

In Westeuropa kennt man das Wort "Codierung" nicht in Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlungsform, eher in Verbindung mit technischen Bereichen.

Doch mit der politischen Wende 1990 und den Zerfall der Sowjetunion leben heute viele Aussiedler ca. 3 Millionen in Deutschland und es ist mehr als verständlich, dass sie auch ihre bekannten und bewährten Therapiemethoden mitbringen.

 

Ehrenmal - Dr. A.R. Dowschenko (1918-1995) in "Feodosia" (Krim)

Lesen Sie dazu die Betrachtungsweise und die Bewertung der Dowschenko-Therapie aus russischer Sicht von Professor Kornetow aus Tomsk.

Bewertung der Methode der Stresspsychotherapie bei Alkolabhängigkeit und anderen Formen der Abhängigkeit, Drogen und Nikotin.
"Codierung" nach Dr. A.R.Dowschenko"

Im weitesten Sinne stellt die Methode der Stresspsychotherapie nach A.R. Dowschenko eine Variante der richtungsweisenden suggestiven Psychotherapie dar.

In der russischen psychotherapeutischen Schule wurde diese Art der Einwirkung theoretisch auf der Grundlage der physiologischen Experimentaluntersuchungen der bedingten Reflexe des hervorragenden Physiologen I. P. Pavlow interpretiert. Diese Lehre ging davon aus, dass die physiologische Grundlage für den hypnotischen Zustand ein Hemmungsprozess sei, der sich mit hoher oder niedriger Geschwindigkeit entlang der Hirnrinde ausbreitet, auf dessen Hintergrund nach Pavlow aktive "Kontrollpunkte" erhalten bleiben.

Mit Hilfe letzterer wird die Beziehung zwischen dem Hypnotiseur und dem unter Hypnose stehenden Menschen aufrechterhalten. Die Effektivität der Suggestion verstärkt sich dann, wenn sich die Zellen der Gehirnrinde in einem hypnoiden Zustand befinden.
Die Pavlowsche Lehre der bedingten Reflexe fand breite Anwendung bei der Begründung der Verhaltenspsychiatrie, die in vielen Ländern anerkannt ist.

 Die Methode A.R. Dowschenkos schließt eine Vorbereitungsphase mit ein, im Verlauf derer eine positive Einstellung gegenüber der Therapie der Alkoholabhängigkeit entsteht, danach folgt die psychotherapeutische Phase der motivierten Suggestion. Der wesentliche Sinn dieser Etappe lässt sich darauf reduzieren, dass die Fixierung auf den Kampf der Motivationen zwischen dem Wunsch zu trinken und dem Wunsch auf alkoholische Getränke zu verzichten, beseitigt wird. Die dritte Phase stellt die eigentliche emotionale Stresstherapie dar, in deren Verlauf die imperative verbale Suggestion des endgültigen Verbotes der Einnahme von Alkohol für einen bestimmten Zeitraum erfolgt. Die Suggestion wird von speziellen zusätzlichen Verfahren begleitet, die auf das Rezeptorensystem einwirken, um die verbale Suggestion zu verstärken, sie schließt auch ein Ritual zur Dramatisierung der gesamten Prozedur mit ein.

 Der Vorteil einer solchen Therapie der Alkoholabhängigkeit und anderer Formen der Abhängigkeit (Drogen, Nikotin) besteht darin, dass die übermäßige Stresseinwirkung in Verbindung mit der Ästhetik des Rituals kathartische (reinigende) Wirkung hat und als Konsequenz  zu einem anderen Verhältnis der Persönlichkeit zur psychischen Abhängigkeit führt. Diese veränderte Haltung gründet sich auf die Einstellung vollständig auf Alkoholkonsum zu verzichten, die sich während der Stresstherapie entwickelt und gefestigt hat.

Spezielle klinische psychotherapeutische Untersuchungen, die Anfang der achtziger Jahre im wissenschaftlichen psychoneurologischen Forschungsinstitut benannt  nach V. R. Protopow, in Charkow durchgeführt worden sind, haben die Effektivität der Therapie des Alkoholismus nach der Methode von Dr. A.R. Dowschenko bestätigt. 1984 wurde diese Methode gesetzlich in Form von methodischen Empfehlungen verankert und vom Gesundheitsministerium der UdSSR und der Leitung für den Einsatz neuer Therapiemittel und medizinischer Technik des Gesundheitsministeriums der UdSSR genehmigt.

In den nachfolgenden Jahren fand die Methode der Stresstherapie nach A.R.Dowschenko in ihrer ursprünglichen Form und in einigen Modifikationen breite Anwendung als Methode zur Therapie von Alkoholismus unter ambulanten Bedingungen. Diese Methode wurde dann auf die Psychotherapie von Nikotin und Drogenabhängigkeit ausgedehnt. Die grundlegenden Indikationen für die Anwendung der Methode ist das Fehlen von Anzeichen einer physischen Abhängigkeit zu Beginn der Psychotherapie, der bewusste Wunsch des Menschen von der Abhängigkeit loszukommen, das Fehlen ausgeprägter komorbider  Persönlichkeitsstörungen oder akuter psychischer Störungen, die eine Therapie verhindern. Die beschriebene Methode ist auf keinen Fall indiziert bei psychotischen Störungen, Demenz, retardierter psychischer Einwirkung.

Schluss: Die Methode der Stresstherapie nach A.R. Dowschenko hat die empirische zeitliche Überprüfung bestanden und wird durch eine ausreichende Menge von bestätigten Daten hinsichtlich ihrer Effektivität in wissenschaftlichen Arbeiten vieler Forscher und praktizierender Psychotherapeuten in Ländern des russischen Sprachraums bestätigt.

Vorliegende Methode ist kein Allheilmittel für die Therapie von Alkoholabhängigkeit und der Abhängigkeit von anderen psychoaktiven Stoffen, jedoch stellt sie eine effektive Variante zur kurzfristigen Psychotherapie im Verhältnis zu anderen Formen der Psychotherapie und der medikamentösen Behandlung von Abhängigkeiten oder deren komplexen, ergänzenden oder ablösenden Behandlungsetappen dar.

Die Therapietechnik wurde unter Berücksichtigung der Besonderheiten der russischsprechenden Bevölkerung ausgearbeitet, wobei die Anzeichen der "Heilung" bestimmte emotionale Erlebnisse beinhalten müssen, die im öffentlichen  Bewusstsein mit den physiogenen Prozeduren vergleichbar sind, es müssen Kurzfristigkeit und richtungsweisende Elemente gewährleistet sein.

14. Dezember 1999

Leiter der Abteilung für affektive Störungen des wissenschaftlichen Forschungsinstituts für Gesundheit des wissenschaftlichen Zentrums von Tomsk der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, Doktor der medizinischen Wissenschaften,
Professor Nikolaj Alekseevic Kornetow

Beglaubigte Übersetzung, Herr Humenjuk (1999)

Um Verständnis zur russischen Codierungs-Methode zu vermitteln veröffentlichen wir nachfolgend Auszüge aus einem von uns in Auftrag gegebenen Gutachten von 1999.

Herr Prof. Dr. Wolf Lauterbach
Professor für Klinische Psychologie & Psychotherapie
erstellte das Gutachten

Auszüge aus dem Gutachten von Prof. Dr. Wolf Lauterbach
Professor für Klinische Psychologie & Psychotherapie

Sachliches Urteil zur "Codierung" nach Dowschenko.

Was mich dazu qualifiziert ist erstens, dass ich das Fach Klinische Psychologie/ Psychotherapie im Diplomstudiengang vertrete und selbst approbierter Psychotherapeut bin. Zweitens war ich zu einem langen Forschungsaufenthalt 1974/75 an der Psychiatrischen Forschungsklinik Bechterew (Leningrad) als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn. Darüber habe ich in Fachzeitschriften sowie in einer Monographie ("Psychotherapie in der Sowjetunion: Methoden und Perspektiven", Urban & Schwarzenberg, München, 1978; Pergamon, Oxford, 1984) veröffentlicht. Seitdem arbeiten wir in der Forschung mit den russischen Kollegen zusammen und sehen uns regelmäßig; ich bin Ehrenmitglied der Russischen Psychotherapeutischen Gesellschaft. Ein Ergebnis meiner damaligen Recherchen für die Monographie sowohl in der Fachliteratur als auch in den Therapieräumen verschiedener Kliniken und Sanatorien der Sowjetunion war, dass dort zwar eine unerwartete Vielfalt von psychotherapeutischen Ansätze zur Anwendung kam, die verbreitesten aber mit deutlichem Abstand "Rationale Therapie" mit verhaltenstherapeutischen Bestandteilen, und suggestiv-hypnotische Verfahren waren. Zu diesen Verfahren hinzu kommt bei Alkoholismus Aversives Konditionieren zur Anwendung.

Darstellung der Dowschenko-Therapie

Die ausführlichste  mir verfügbare Darstellung der Dowschenko-Therapie  ist die in der Psychotherapeutischen Enzyklopädie von Prof. Kawarsarskij (Hrsg.) vom Bechterew-Institut in St. Petersburg, an deren Vorbereitung ich beteiligt war.
Daraus geht hervor, dass es sich um ein Therapieprogramm handelt, das aus mehreren, vor allem rational-therapeutischen und suggestiv-hypnotischen Techniken (auch auto-suggestiver Selbstverbalisation und Selbstinstruktion) besteht und in mehreren  Abschnitten durchgeführt wird. Der letzte Abschnitt ist die sog. "Codierung", eine Art aversiver Konditionierung unter Hypnose. Diese Therapieverfahren und ihre Zusammenstellung sind also typisch für die psychotherapeutischen Ansätze der russischen Psychiatrie. Ziel der Dowschenko- Therapie ist die Etablierung der unbezweifelbaren Einstellung, unerschütterlichen Vorsatzes, dauerhaft dem Alkohol fern zu bleiben. Begründet wird dieser Vorsatz, in einer Motivierungsphase zunächst indirekt-suggestiv und rationaltherapeutisch. Zweck dieser "Codierung" ist die Erzeugung einer starken, dauerhaften Aversion gegenüber dem Alkohol, die die zuvor rational- und suggestiv-therapeutisch bestärkte Motivation zur Abstinenz neuropsychologisch unterstützen soll. Der neuropsychologische, therapeutisch wirkende theoretische Mechanismus der Aversionsbildung soll darin bestehen, dass durch diese Prozeduren im Emotionszentrum des Gehirns starke und sich selbst verstärkende emotional - aversive Erregungsherde entstehen, die verbunden mit einem dadurch ausgelösten Selbsterhaltungsreflex den Drang zum Alkoholkonsum blockieren. Im Patient wird, oder wurde ursprünglich von Dowschenko, neuropsychologisch und physisch die Überzeugung und Erwartung gesetzt, dass eine Verletzung der Abstinenz die schlimmsten psychischen und physischen Konsequenzen für sie hätte, bis hin zum Tod. Insoweit wie die Codierung Parallelen im Aversiven Konditionieren hat, entspräche der Therapie-Komplex von Dowschenko den in der Sowjetunion üblichen Alkohol-Therapien mit suggestiven, rationalen und aversiven konditionierenden Anteilen.

Zur Anerkennung und wissenschaftlichen Bewährung der Dowschenko-Therapie:

Der im letzten Absatz erwähnten Stellungnahme ist aber auch zu entnehmen, dass die Dowschenko-Therapie 1980-81 am Protopopow-Forschungsinstitut für Neurologie und Psychiatrie in Charkow (Ukraine) approbiert und dass sie staatlich anerkannt wurde.
Seit 1982 wurden Therapeuten darin ausgebildet.

Stellungnahme

Die Dowschenko-Therapie ist mit den Traditionen und theoretischen Grundlagen der russischen Psychiatrie vereinbar und Teil der real existierenden russischen Psychiatrie. Sie besteht aus nachvollziehbar aufeinander bezogenen Therapieteilen. Einige Bestandteile im Stadium der Codierung muten vor dem Hintergrund des heutigen westeuropäischen Denkens fremd an, aber angesichts ihrer Popularität auch im heutigen Russland passen sie offenbar gut in die dortige gegenwärtige Kultur.